Leben in Gemeinschaft

spirituell, ökologisch und sozial.

Seifen

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57537 Forst-Seifen, 70 km östlich von Köln.

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Das große Geheimnis

Das große Geheimnis ist, als unverbrauchter Mensch durchs Leben zu gehen. Solches vermag, wer nicht mit den Menschen und Tatsachen rechnet, sondern in allen Erlebnissen auf sich selbst zurückgeworfen wird und den letzten Grund der Dinge in sich sucht. Wer an seiner Läuterung arbeitet, dem kann nichts den Idealismus rauben. Er erlebt die Macht der Ideen des Wahren und Guten in sich. Wenn er von dem, was er ausstrahlt, keine rechte Wirkung verspürt, so erreicht er dennoch, dass er soviel wirkt, als Läuterung in ihm ist.

Wo Kraft ist, ist Wirkung von Kraft. Das Wissen vom Leben, das wir Erwachsene den Jugendlichen mitzuteilen haben, lautet nicht: „Die Wirklichkeit wird schon unter euren Idealen aufräumen“, sondern: „Wachset in eure Ideale hinein, damit das Leben sie euch nicht nehmen kann.“

Albert Schweitzer


Vom großen Sucher Sören Kierkegaard heißt es:

Als sein Gebet immer andächtiger wurde,
da hatte er immer weniger zu sagen.
Zuletzt wurde er ganz still. Er wurde still,
ja, was womöglich ein noch größerer
Gegensatz zum Reden ist, er wurde ein Hörer.
Er meinte erst, Beten sei reden, er lernte aber,
dass Beten nicht bloß Schweigen ist, sondern Hören.
Und so ist es: Beten heißt nicht, sich selbst reden zu hören.
Beten heißt still werden und harren,
bis der Betende Gott hört.


Vom Willen zum Leben

In meinem Willen zum Leben erlebt sich der universale Wille zum Leben anders als in den anderen Erscheinungen. In diesem tritt er in einer Individualisierung auf, die, soviel ich von außen bemerke, nur ein Sich-Selbst Ausleben, kein Einswerden mit anderem Willen zum Leben erstrebt. Die Welt ist das grausige Schauspiel der Selbstentzweiung des Willens zum Leben. Ein Dasein setzt sich auf Kosten des anderen durch, eines zerstört das andere. Ein Wille zum Leben ist nur wollend gegen den anderen, nicht wissend von ihm. In mir aber ist der Wille zum Leben wissend von andern Willen zum Leben geworden. Sehnen, zur Einheit mit sich selbst einzugehen, universal zu werden, ist in ihm.

Warum erlebt sich der Wille zum Leben so nur in mir? Liegt es daran, dass ich die Fähigkeit erlangt habe, über die Gesamtheit des Seins denkend zu werden? Wohin führt die in mir begonnene Evolution?

Ich kann nicht anders, als mich an die Tatsache halten, dass der Wille zum Leben in mir als Wille zum Leben auftritt, der mit andern Willen zum Leben eins werden will. Sie ist mir das Licht, das in der Finsternis scheint. Die Unwissenheit, unter die die Welt getan ist, ist von mir genommen. Ich bin aus der Welt erlöst. In eine Ruhe, wie sie die Welt nicht mehr kennt, bin ich durch die Ehrfurcht vor dem Leben geworfen. Seligkeit, die die Welt nicht geben kann, empfange ich aus ihr. Wenn in der Sanftmut des Andersseins als die Welt ein anderer und ich uns in Verstehen und Verzeihen helfen, wo sonst Wille andern Willen quälen würde, ist die Selbstentzweiung des Willens zum Leben aufgehoben. Wenn ich ein Insekt aus dem Tümpel rette, so hat sich Leben an Leben hingegeben und die Selbstentzweiung des Lebens ist aufgehoben. Wo in irgendeiner Weise mein Leben sich an Leben hingibt, erlebt mein endlicher Wille zum Leben das Einswerden mit dem Unendlichen, in dein alles Leben eins ist. Labung wird mir zuteil, die mich vor dem Verschmachten in der Wüste des Lebens bewahrt.

Albert Schweitzer 1875-1965


Der  Friede im Innern schenkt jene Überlegenheit,

jene Freiheit des Geistes und des Herzens,

die uns allen Menschen ruhig und mit Wohlwollen gegenüberstehen lässt

und das äußere, volle Wirken für das Gute ermöglicht.

E. Meier